Urnenfelderzeit

(1200 - 800 vor Christus)

Vorwort Zeittafel Bronzezeit Urnenfelderzeit Hallstatt- und Frühlatènezeit Endlatènezeit Römerzeit Startseite

zurück

Neue Jenseitsvorstellungen

Die Urnenfelderzeit hat ihren Namen nach einem tief greifenden Wandel in den Jenseitsvorstellungen des Menschen erhalten, der im archäologischen Fundbild einen markanten Niederschlag findet.

Waren in der Mittleren Bronzezeit (1.500 - 1.300 vor Christus) Körperbestattungen unter Grabhügeln die übliche Totenbehandlung, so wurden nun die Leichen verbrannt. Die Asche füllte man in Urnen aus Keramik. Diese Urnen wurden in großen Friedhöfen (Urnenfeldern) beigesetzt, die mehrere hundert Gräber umfassen konnten.

Die Spätbronzezeit stellt dabei eine Übergangsphase zwischen der Bronze- und der eigentlichen Urnenfelderzeit dar, in der sich die Rituale der Totenbehandlung mischen. Körperbestattung kommt hier ebenso vor wie Brandbestattung unter Grabhügeln.

 


Ausgrabung 1998 - Friedhof aus der späteren Bronzezeit und der frühen Urnenfelderzeit

Bei der bauvorgreifenden Notbergung 1998 im Gewerbegebiet von Niedererlbach konnten Teilbereiche eines Friedhofes der späteren Bronze- und frühen Urnenfelderzeit archäologisch untersucht werden. Wie üblich bestanden die Gräber aus je einer Urne mit Leichenbrand, der manchmal weitere Gefäße beigestellt wurden. In der gelegentlich mit einer Schüssel abgedeckten Urne fanden sich fallweise verbrannte oder unverbrannt beigegebene Bronzen und andere Gaben für den Toten (siehe Bild Vitrine 2 am Schluss dieser Seite).

Die Niedererlbacher Urnengräber lassen sich anhand mehrerer charakteristischer Bronze- und Keramikfunde ("Leitfunde") in den Zeitraum von 1.300 - 1.000 vor Christus datieren.

Da zu diesen Gräbern keine Siedlungen des gleichen Zeitabschnitts gefunden wurden, ist bis jetzt nicht bekannt, wo die Menschen wohnten, die hier ihre Toten bestatteten.

 


Bilder von der Ausgrabung

 

Schematischer Profilschnitt eines Urnengrabes
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Die Abbildung links zeigt die schematische Darstellung eines Urnengrabes im Profilschnitt.

  1. Ackerboden
  2. Einfüllung der Urnengrube
  3. anstehender Boden
Eingipsen von Urnen
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Dieses Situationsfoto einer Grabung 1998 zeigt 2 große Urnen, die mit medizinischen Binden eingegipst sind. Anschließend wurden sie in der Restaurierungswerkstatt auseinander genommen und restauriert.

Kreisgraben als Grabeinfriedung
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

1998 wurde ein Kreisgraben (hier ca. 11 m Durchmesser) freigelegt, der als Grabeinfriedung einen sakralen Bezirk mit mehreren Urnengräbern umgibt.

Die Beigaben zu diesen Gräbern fallen üblicherweise eher spärlich aus. Jedoch deutet der Fund eines Fragments eines Trensenknebels daraufhin, dass hier vermutlich auch ein Vertreter der obersten Führungsschicht bestattet wurde.



Ausstellung - Tisch: Keramik aus Gräbern
der späteren Bronze- und frühen Urnenfelderzeit (1.300 - 1.000 v.Chr.)


Vitrine 2: Grabbeigaben aus verschiedenen Gräbern
der späteren Bronze- und frühen Urnenfelderzeit (1.300 - 1.000 v.Chr.)

  1. Rasiermesser
  2. Messer
  3. Spiralröllchen (Haarschmuck)
  4. Zierknöpfe
  5. Pfeilspitzen
  6. Nadeln
  7. Armringe
  8. Lanzenspitze (Leihgabe A.Schier)
  9. Gefäß mit Abrollverzierung

Den Frauen hat man paarweise Nadeln (6), Armringe (7) und anderen Schmuck, unter anderem auch Spiralröllchen (3) mitgegeben.

Typisch für Männergräber sind Rasiermesser (1), Geräte und Waffen, wie zum Beispiel eine Lanzenspitze (8) (Leihgabe A.Schier) und ein Messer (2).

Eine Seltenheit ist der Fund eines verschmolzenen Klingenfragments eines Schwertes, da damals Schwerter keine übliche Grabbeigabe waren.

zurück

Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.