Römerzeit

Römischer Friedhof

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Bei den Grabungen in den Jahren 2000 und 2001, die eigentlich dem hallstattzeitlichen Grabhügelfeld galten, zeigte sich ein römisches Grabdenkmal, das Teil eines kleinen römischen Gräberfeldes war, welches sich entlang der Römerstraße erstreckte.

Es kamen dabei etwa 35 zum Teil beschädigte Urnengräber zutage sowie ein Ziegelplattengrab, das sich im Zentrum eines Grabhügels befand.


Zeichnerische Rekonstruktion einer Brandbestattung
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

Die übliche Bestattungsart der Römer war vom 1. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus die Leichenverbrennung. Nachdem man den Toten auf einem Scheiterhaufen eingeäschert hatte, wurde ein Teil der Asche (Leichenbrand) aufgelesen und in einer Urne aus Keramik oder Glas beigesetzt.

In mehreren Fällen hatte man auf dem Leichenbrand als Tribut für den Fährmann Charon, der nach römischer Vorstellung den Toten in die Unterwelt bringen sollte, eine Münze niedergelegt. Manchmal fanden sich in oder neben der Urne verbrannte Gegenstände, die der Tote bei sich trug, wie Fibeln, Schmuck, oder Gürtelteile. In den meisten Gräbern kamen neben der Urne Gefäßbeigaben zutage, die häufig Brandspuren vom Scheiterbrandfeuer aufweisen. In einem Fall lag auf dem Leichenbrand ein Armring mit stark stilisierten Schlangenkopfenden, daneben eine Terrakottafigur der Venus (Göttin der weiblichen Schönheit und der Liebe).

 


Bilder von der Ausgrabung

 

Die Grabungen im Frühjahr 2001 fanden im ausgewiesenen Gewerbegebiet statt. Bei sehr nasser Witterung wurde ein römischer Friedhof gefunden.

Arbeitsfotos dieser 8-wöchigen Grabung
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Einfaches Urnengrab
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

Die völlig intakte Urne war in eine Grube eingetieft, die ringsum mit einer schwarzen Schicht umgeben war. Es ist ein ärmliches Urnengrab, da nur der Leichenbrand ohne weitere Beigaben in einem einfachem Gefäß in einer Grube beigesetzt war. Wie oben dargestellt, wird die Leiche auf einem gezimmerten Scheiterhaufen aufgebahrt und zusammen mit Blumenschmuck und wohlriechenden Essenzen verbrannt. Nach dem Erlöschen des Feuers werden einzelne Knochen (stets die Schädelteile) des Toten und Teile der Beigaben wie Schmuck oder Gürtelschnallen aufgelesen und in eine Urne gefüllt.

 


Frauengrab mit Statuette der Venus

 

Römisches Brandgrab einer Frau
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

In diesem Brandgrab einer Frau fanden sich die eingangs erwähnte Tonplastik (Terracotta-Statue) der Venus und ein bronzener Armring mit stark stilisierten Schlangenkopfenden.

Venus-Statuette in restauriertem Zustand
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Venus war die Göttin der weiblichen Schönheit und der Liebe. Sie entsteigt dem Bad, hält in der linken Hand ein Handtuch und rückt sich das Haar zurecht. Da solche Statuetten im Rheinland häufig und bei uns selten sind, stammt sie vermutlich von dort her. Möglicherweise war sie in einem Hausaltar aufgestellt. Die Beigabe läßt auf eine besondere Beziehung der Bestatteten zur Venus schließen.

 


Grabhügel mit Ziegelplattengrab

 

Römischer Grabhügel von ca. 11 m Durchmesser.
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Da die Römer bei uns - im Gegensatz zu den Hügelbestattungen in der Provinz Noricum (östlich des Inns) - normalerweise in eingetieften Brandgräbern bestatteten, ist dieser Grabhügel eine Seltenheit. Der Sektor rechts unten wurde untersucht (siehe nächstes Bild).

Freigelegter Sektor des römischen Hügelgrabes
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Nach der Freilegung des Sektors "rechts unten" des obigen Bildes zeigten sich diese Ziegelplatten. Die Sohle ist das eigentliche Grab.

Freigelegtes Ziegelplattengrab
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Im freigelegten Ziegelplattengrab befand sich der Leichenbrand in der Mitte, was auf eine Bestattung nach Verbrennung des Leichnams hinweist. Acht gleichförmige Platten aus Ziegel bilden den Boden und zwei der Seitenwände. Die Abdeckung der beiden verbleibenden Seitenwände und oben waren aus Holz, von dem nur mehr geringe Reste erhalten waren. Es ist eigentlich ein armseliges Grab, da jegliche Beigaben fehlen. Jedoch lässt die Aufwendigkeit des Grabhügels darauf schließen, dass der Tote vermutlich von Rang war.

Die Aufschüttung des Hügels von 5 Metern Durchmesser hatte sich noch bis 0,60 Metern Höhe erhalten.

 


Römisches Grabdenkmal auf keltischem Grabhügel

 

Fundamentmauer eines Grabdenkmals
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

In dem Bild ist oben die letzte Steinschicht einer Fundamentmauer eines Grabdenkmals sichtbar. Es ähnelt dem auf einer eigenen Unterseite beschriebenen Mausoleum. Leider konnte es der Tiefenpflügung nicht standhalten und war fast völlig beseitigt. Dieses römische Grabdenkmal wurde auf einem keltischen Grabhügel errichtet, der damals noch sichtbar war.

 


Grab eines Soldaten oder Veteranen

 

Bei der Grabung 2001 wurde eines der am reichsten ausgestatteten römischen Gräber aufgefunden. Hierin war ein wohlhabender Soldat oder Veteran (vgl. Unterseite zur Villa rustica) bestattet, der vermutlich in der nahe gelegenen römischen Villa rustica wohnte. Den Leichenbrand hatte man in einer Gesichtsurne (siehe unten) beigesetzt, die mit einer Schüssel abgedeckt war. Das auf der Urne aus aufgelegten Tonwülsten geformte fratzenhafte menschliche Antlitz sollte vermutlich Unheil abwehren.

In der Urne fanden sich mehrere im Scheiterhaufen angeschmorte Bronzereste, darunter die Metallteile eines Knöpfgürtels, der Beschlag einer Messerscheide und ein Löffel. Solche Gürtel wurden ausschließlich von Militärpersonen getragen (siehe Vitrine 11 unten).

In dem Grab kam zudem ein kompletter Geschirrsatz zutage, bestehend aus Tellern, Schüsseln und einem Trinkbecher. Offenbar legte der hier Bestattete besonderen Wert auf Speis und Trank, was ihm seine Hinterbliebenen durch entsprechende Grabbeigaben auch für das Jenseits sichern wollten.

 

Ausstellung - Tisch: Keramik aus römischen Brandgräbern

(spätes 1. bis frühes 3. Jh. v. Chr.)

hinten: Keramik aus dem Grab dieses römischen Soldaten (um 200 n. Chr.)

vorne: Keramik aus anderen römischen Brandgräbern


Vitrine 11: Fundstücke aus dem römischen Friedhof (1. - 3. Jh. n.Chr.)

  1. Schale aus Terra sigillata, reliefverziert u.a. mit Tiermotiven
  2. Gürtelschnalle und Doppelknopf mit Rekonstruktion des Gürtelverschlusses
  3. Endbeschlag einer Messerscheide
  4. Löffel
  5. Eisennägel von der Konstruktion des Scheiterhaufens
  6. Statuette der Venus aus Terrakotta

(1-5) aus dem Grab des römischen Soldaten und (6) aus dem Frauengrab


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Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.