End-Latènezeit

(Ende der frühkeltischen Zeit, 100 - 15 vor Christus)

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Grabfunde aus der Endlatènezeit, d.h. aus der Zeit nach der Auflassung der großen stadtähnlichen keltischen Oppida, sind in Südbayern immer noch recht selten. Der Archäologe spricht hier von der südostbayerischen Gräbergruppe Traunstein-Uttenhofen-Kronwinkl. Die Brandgräber des namhaften Fundortes Kronwinkl, der von hier ca. 4 km entfernt liegt, sind 1956 im Isartal zutage gekommen.

 


Grab mit Waffenfunden

 

Grab mit Waffenausstattung eines spätkeltischen Kriegers
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

Bei Ausgrabungen 1998 wurden zwar keine menschlichen Reste, dafür aber diverse Waffen und Geräte aus Eisen gefunden: Lanzenspitze und -schuh (rechts), Messer (links unten), Punze (mitte) und Koppelringe (links oben). Die Lanzenspitze und das Messer wurden absichtlich unbrauchbar gemacht. Nicht im Bild sind der Schildbuckel, 1 Ring und die Schwertscheide.

Die Funde dürften um das Jahr 50 vor Christus datieren (1). Sollten exakte Untersuchungen diese Vermutung bestätigen, so ist dies der erste und einzige Waffenfund dieser Zeit aus ganz Bayern. Die Waffen wurden ca. 500 Jahre nach dem Entstehen des hallstattzeitlichen Grabhügels in diesen eingebracht. Da der Tote ebenso fehlt wie der Leichenbrand, kann man vermuten, dass dies vielleicht ein symbolhaftes Grab für Jemanden sein könnte, der anderswo geblieben ist. Gräber in dieser Art gibt es auch in Kronwinkl (Funde aus den 50er Jahren). Ähnliche Funde wurden in Traunstein und Hörgertshausen entdeckt.

(1) Zu dieser Zeit existierten die großen Oppida wie Manching, Wittelberg oder Kehlheim schon nicht mehr. Siedler sind aus dem thüringischem Raum in das Isartal eingewandert (siehe unten). Funde von Männergräbern aus dieser Zeit sind sehr selten.

 


Grab mit Korallenfibel

 

In ein Grab aus der Zeit um ca. 50 vor Christus wurden keine Gefäße beigegeben. Neben den verbrannten, menschlichen Knochen kamen eine eiserne Schere sowie verbrannte Reste von Bronzeglas und Gold zutage. Diese Details wurden zu Beginn der Grabungen kaum bemerkt. Bei der Restaurierung hat man jedoch festgestellt, dass hier kleine Goldscheibchen dabei sind, die zu einer so genannten Korallen-Fibel gehören.

Goldscheibchen der Korallenfibel
Quelle: Foto Hans Kronseder bei Ausstellung

 

Bei der Fibel handelt es sich bislang um das einzige Exemplar dieses Typs in Bayern. Das Gold der Scheibchen und die zugehörige Fibel stammen höchstwahrscheinlich aus Thüringen. Vermutlich wanderten Menschen aus diesem Gebiet hier ein, als die Kelten nicht mehr da waren. Da zu jener Zeit in Thüringen Kelten und Germanen lebten, wird derzeit noch die völkische Zugehörigkeit dieser Immigranten diskutiert. Das "Gastspiel" der Thüringer war aber nicht von langer Dauer. Als im Jahre 15 vor Christus die Römer kamen, trafen sie diese Einwanderer nicht mehr an.

Verwendete Materialien:
Bronze (grün),
Koralle (rot) und
Gold (gelb) verwendet.
(Draufsicht) (Seitenansicht)

 

Zeichnerische Rekonstruktion der Korallenfibel (stark vergrößert)
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

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Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.