Hallstattzeit und Frühlatenèzeit

Kultur der Hallstattzeit

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Handelsbeziehungen

Die Handelsbeziehungen können durch Funde von Kaurimuscheln aus dem Mittelmeerraum und Bernstein aus dem Ostseeraum als sehr weit reichend bezeichnet werden.

 


Ackerbau

Die Menschen der Hallstattzeit lebten in erster Linie von Ackerbau und Viehzucht.

Paläobotanische Untersuchungen verkohlter Getreidekörner (Getreidekörner vergehen im Boden normalerweise spurlos, sofern sie nicht mit Feuer in Berührung kommen) ergaben, dass vor allem Nacktgerste und Dinkel kultiviert wurden, dann folgen Hafer, Hirse, Roggen, Einkorn und Emmer. Von den Hülsenfrüchten sind insbesondere Linsen, Erbsen und Ackerbohnen zu erwähnen. Gesammelt wurden Wildäpfel, Schlehen, Haselnüsse, Holunder und Wilder Wein.

 


Haustierhaltung und Jagd

Etwa 3000 bestimmbare Fundstücke von Tierknochen, die aus Küchenabfällen stammen, belegen detailliert die fleischliche Ernährung der Menschen von Erdwerk I. Als wichtigste Fleischlieferanten sind Rind, dann Schwein, Schaf und Ziege zu nennen. Weitere Haustiere waren Pferde und Hunde. Aus einer Grube des 5. Jh. v. Chr. konnte sogar ein Knochen eines Haushuhns identifiziert werden. Auffallend ist, dass keine Überreste von ausgewachsenen Schweinen, sondern nur von jungen Schweinen gefunden wurden. Dies deutet daraufhin, dass die hier ansässige Oberschicht keine eigene Viehzucht betrieb, sondern das Fleisch von woanders her bezog (1).

Rund 12% der gefundenen Knochen stammen von Wildtierresten, davon die meisten von Rothirsch und deutlich weniger vom Wildschwein. Noch seltener waren in dieser Reihenfolge - die Funde von Biber, Reh und Feldhase. Knochen von Braunbär und Wildkatze bezeugen, dass heute ausgestorbene Raubtiere damals hier anzutreffen waren. Vögel (Birkhuhn und Kranich) dürften für die Ernährung der Menschen eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Da sich die Überreste der sicherlich verzehrten Fische schlecht im Erdreich konservieren, kann nicht abgeschätzt werden, in welchem Ausmaß die Bewohner sich von Fisch ernährten.

(1) Zwei weitere, auf Luftbildern erkennbare Erdwerke (II und III) in der näheren Umgebung sind nur in Sondagegrabungen untersucht. Möglicherweise wohnte dort das "Fußvolk".

 


Textilherstellung

Das Thema "Textilien" spielt in allen Kulturen eine wichtige Rolle. Über die Form und Farbe der vorgeschichtlichen Kleidung wissen wir allerdings recht wenig. Hingegen liegen aus vielen Siedlungen Funde vor, die die Gewinnung von Fäden aus Rohwolle und die Weiterverarbeitung der Fäden zu Geweben belegen.

Textilherstellung:
Zeichnerische Rekonstruktion eines Webstuhls
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Im linken Teil der Abbildung ist die Handhabung der Spindel und der Spinnwirtel dargestellt. Rechts ist ein Rekonstruktionsversuch eines vorgeschichtlichen Webstuhls abgebildet.


Bilder von der Ausgrabung

Viele tönerne Spinnwirtel zeugen von der Verarbeitung von Rohwolle zu Fäden. Die Schafhaltung ist durch Knochenfunde belegt.

Spuren eines Webstuhls
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Im hangseitigen Graben, der fast schon abgetragen ist, finden sich eindeutige Spuren eines Webstuhls mit 2 Pfosten (siehe Pfeile), der in einer großen Grube von ca. 1,50 m Tiefe stand. Unten lagen 12 bis 14 Webgewichte und Knochengeräte als Webschiffchen.

Webgewichte
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Webgewichte, die an die Kettfäden des Webstuhls gebunden waren. Somit kann man schließen, dass auch die Weiterverarbeitung zu Stoffen hier vonstatten ging, was auch durch Funde eines Knochenpfriems, der als Webschiffchen diente, und einer Knochennadel (siehe Vitrine 6 unten) belegt ist.


Vitrine 6: Fundstücke zur Textilherstellung

der Späthallstatt- und Frühlatènezeit (650 - 400 v. Chr.)

  1. Mit dem Tonstempel wurden Stoffe bedruckt.
  2. Die Spinnwirtel diente als Schwunggewicht der Spindel bei der Fadenherstellung.
  3. Die kleinen Miniaturgefäße (Näpfchen) könnten Farbbehälter gewesen sein. Farbspuren an ähnlichen Gefäßen von anderen Fundorten belegen dies.
  4. Knochenpfriem und Knochennadel: Bei dem Knochenpfriem hat es sich möglicherweise um ein Webschiffchen gehandelt (Das Webschiffchen transportiert den Querfaden).
  5. Die Webgewichte spannten die Kettfäden des Webstuhls.

 


Backöfen

Reste eines hallstattzeitlichen Backofens
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

Der größte der drei gefundenen Backöfen mit einem Durchmesser von 1,30 m ist zur Hälfte schon abgebaut. Im Bild rechts ist die Kieselsteinrollierung sichtbar, die der Wärmespeicherung diente. Auf ihr liegt (links oben sichtbar) die graue Lehmschicht, auf der gebacken wurde. Darüber spannte sich eine Kuppel, die leider nicht mehr erhalten ist. Der Ofen hatte seinen Platz direkt neben einer Grube, in die nach dem Erlöschen des Feuers die Glut über eine Rinne eingeleitet wurde.

Solche Öfen wurden bis ins Mittelalter (in Südamerika heute noch) zum Brot Backen verwendet. Im Ofen schürte man zunächst starkes Feuer, das man abbrennen lässt; dann räumt man Glut und Asche heraus. Die Hitze im Ofen reicht zum Backen und Braten, wenn das Schürloch geschlossen bleibt.

 


Keramikherstellung

Ein Töpferofen mit Lochtenne zusammen mit vielen Hunderten von Scherben von Fehlbränden unterstreicht die Tatsache, dass die Siedler von Erdwerk I hinsichtlich ihrer Gebrauchskeramik Selbstversorger waren.

Werkzeug zur Verzierung von Keramiken.
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

Das halbmondförmige Tonobjekt ist ein wichtiger Beleg für die Herstellung von Keramik am Ort. Mit der halbrunden gezähnten Kante hat man so genannte Rollrädchenlinien - eine beliebte Zierweise in der Urnenfelder- und Hallstattzeit - vor dem Brand in den lederharten Ton eingedrückt (siehe Vitrine 7 unten).

 


Vitrine 7: Fundstücke zur Keramik- und Bronzeherstellung

Werkzeug, Gerät und Waffen (Späthallstat- und Frühlatènezeit 650-400 v. Chr.)

  1. Das Tüllenbeil besaß ursprünglich eine Knieholzschäftung und wurde zur Holzbearbeitung verwendet.
  2. Den einfachen Hakenschlüssel kann man als "Vater aller Schlüssel" ansehen.
  3. Gussform: (Erklärung siehe unten)
  4. Gerät zum Verzieren von Keramik. (Erklärung siehe oben)
  5. Geweihgerät: Die Funktion des aus einer Geweihstange eines Rothirschen herausgesägten Gerätes ist unbekannt.
  6. Lanzenspitze und Pfeilspitze wurden zur Jagd und zum Kampf verwendet.
  7. Das Hiebmesser ist ein vielseitig einsetzbares Werkzeug


Bronze- und Eisenverarbeitung

Erdwerk I produzierte nicht nur für sich selbst, sondern erlangte durch seine Gusstechnik auch überregionale Bedeutung. Gusstiegel, Schlacken und Schmiedeabfälle belegen die Weiterverarbeitung von Bronze und Eisen zu Schmuck oder Gebrauchsgegenständen.

Bronzegußtechnik: Bronzeguß einer Sichel
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Am Beispiel der Herstellung einer Sichel wird der grundsätzliche Gebrauch einer Gussform wie der von Niedererlbach dargestellt (sog. verdeckter Herdguss).

Die beiden Formhälften werden zusammengefügt. Beim Eingießen des flüssigen Metalls entweicht die Luft durch dünne Kanäle. Zapfen sorgen für genaues Anpassen der beiden Formhälften.

Gussform für einen Ohrring
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Dieses Bild zeigt eine Gussformhälfte zur Herstellung längsgerippter Ohrringe aus einem gebogenem Bronzeblech. Aus der gesamten Hallstattkultur sind nur drei solcher Stücke erhalten.


Virtine 8: Kleinfunde aus Erdwerk I

Schmuck und Knochenflöte (Späthallstatt- und Frühlatènezeit 650 - 400 v. Chr.)

  1. Zu dieser Knochenflöte gehörte wahrscheinlich ursprünglich ein Mundstück aus Knochen oder Holz. Knochenflöten gibt es seit der Altsteinzeit. Die Zahl der bekannten Exemplare ist jedoch äußerst gering. Aus der Hallstatt- und Latènezeit sind nur fünf Stück bekannt.
  2. Der Bernsteinschieber war Teil einer Halskette. Er diente als Abstandshalter der einzelnen Perlenreihen.
  3. Amulett aus Hirschgeweih
  4. Haar- bzw. Ohrring
  5. Gewandnadel
  6. Armringe
  7. Fibeln (Bronze und Eisen). Die Formentwicklung der Fibeln unterlag einem raschen Wandel (Mode).

 

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Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.