Hallstattzeit und Frühlatènezeit

Außensiedlung

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In der Frühlatènezeit (480 - 400 v.Chr.) erfuhr Erdwerk I eine Ausweitung in Form einer großen unbefestigten Siedlung, die außerhalb des 3. Grabens im Süden angebaut wurde.

Grubenhaus
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

In der angebauten Außensiedlung (außerhalb der Gräben), stand in der Mitte erkennbar am dunklen Fleck - das Grubenhaus. Solche Grubenhäuser kamen in ganz Mitteleuropa im 5. Jh. v. Chr. auf. Auf 2 Firstpfosten links und rechts an der Schmalseite lag ein Dach auf. Dieses Grubenhaus ist exakt zu datieren um 400 v. Chr., der Zeitpunkt, der das Ende dieser und auch vieler anderer Siedlungen in Süd- und Nordbayern markiert.


Gefäßfund der Frühlatènezeit (480 - 400 v.Chr.)

Bei der Ausgrabungskampagne 1988 in Erdwerk I kamen auf der Sohle einer im Profil umgekehrt trichterförmigen Grube in 1,80 Metern Tiefe insgesamt 17 Vorratsgefäße zum Vorschein. Es handelt sich um zwölf Töpfe, vier Schüsseln und eine sogenannte Linsenflasche. In dem Erdkeller wurden in den Vorratsgefäßen Lebensmittel aufbewahrt. Ein Gefäß enthielt noch Nacktgerste. Dieser Fund ist der bedeutendste Keramik-Fundkomplex Südbayerns aus dieser Zeit.

In dem Bild ist eine schematische Rekonstruktion durch eine Vorratsgrube der Außensiedlung zu sehen. Der Boden ist nahezu eben. Solche Gruben findet man häufig. Sie sind sehr standfest, obwohl jegliche Verschalung fehlt. Ihr Zweck ist das Speichern, Kühlen und Aufbewahren von Lebensmitteln.

 

Zeichnerische Rekonstruktion einer Vorratsgrube
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Gefäße am Boden eines Erdkellers
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut

 

Blick auf die Gefäße im Erdkeller im Zeitpunkt der Auffindung. Für die Forschung von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass alle 17 Gefäße zur selben Zeit in Benutzung waren. Der Zeitpunkt lässt sich aufgrund einiger markanter Formen gut datieren. Die Grube wurde so versiegelt, wie sie damals existiert hat. Die Gefäße zerbrachen nur durch den Erddruck.


Ausstellung - Tisch: Restaurierte grobkeramische Vorratsgefäße

aus dem oben beschriebenen Erdkeller der Frühlatènezeit (480 - 400 v.Chr.).

Die Linsenflasche (ca. 18 cm hoch) wurde als eine der ersten in ganz Südbayern auf einer Drehscheibe gedreht, die aus dem Süden zu uns kam. Bei dem Kochtopf aus Graphitton wurde dem Ton ein beträchtlicher Graphitanteil beigemengt, der signifikant die Feuerfestigkeit und Dichtigkeit erhöht, da unglasierte Keramik die Feuchtigkeit leicht nach außen durchlässt. Der Graphit stammt aus Kropfmühl bei Passau, wo bis Ende des letzten Jahrhunderts Graphit abgebaut wurde. Drei braune Flecken unten rühren von einer Reparatur durch 3 Eisenklammern am Boden her. Der Gefäßboden war vermutlich abgeplatzt, was die Verwendbarkeit eingeschränkte. Durch die Eisenklammern wurde dieser Kochtopf wieder repariert. Bemerkenswert ist der betriebene Aufwand, um das Gefäß wieder gebrauchsfähig zu machen.

Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde der Grubeninhalt, der in der damaligen Zeit sicher einen gewissen Wert darstellte, nach Einsturz der Wände nicht mehr geborgen. Dieser Einsturz steht vermutlich in Zusammenhang mit dem Ende dieser Siedlung um 400 v. Chr.

 

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Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.