Geschichte der Ausgrabungen

1980 bis 2001

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Verdienste der Luftbildarchäologie

Während sich obertägig sichtbare Bodendenkmäler überwiegend nur im bewaldeten Areal erhalten haben, sind die Siedlungen und Gräber unserer Vorfahren auf landwirtschaftlich genutzten Flächen meist schon lange nicht mehr für das menschliche Auge wahrnehmbar: Grabenanlagen sind verfüllt und Grabhügel vom Pflug eingeebnet.

Der Beginn der systematischen Erforschung der Bodendenkmäler in der Gemeinde Buch am Erlbach reicht in das Jahr 1980 zurück. In dieser Zeit erhielt die archäologische Denkmalpflege einen besonderen Aufschwung. Vor allem durch die Luftbildprospektion wurden viele vor- und frühgeschichtliche Fundstellen und Bodendenkmäler erst bekannt. Allein in Niederbayern kennt man über 10.000 Bodendenkmäler.

Der Luftbildarchäologe und pensionierte Luftwaffenoffizier, Herr Dr.h.c. Otto Braasch untersuchte insbesondere das Isartal.

Luftbild der Ausgrabungsstätten
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut - Luftbildarchiv (Otto Braasch)

 

Ein Luftbild von Braasch zeigt das heutige Gewerbegebiet, die dunklen Verfärbungen sind Grabhügel aus der vorchristlichen Eisenzeit (Hallstattzeit, ca. 650 - 480 v. Chr.). Es sind nicht alle der ca. 50 Grabhügel zu sehen, da sie sich auch auf der anderen Seite der Erdinger Straße (im Bild oben) und rechts bis nach Thal erstrecken.

 


Die Ausgrabungsplätze

Die Fundstellen liegen allesamt im Bereich südlich und westlich der heutigen Ortschaft Niedererlbach auf relativ engem Raum konzentriert.

Karte: Bodendenkmäler bei Niedererlbach
Quelle: topographische Karten 1:25.000, Blatt Nr. 7537 und 7538;
Wiedergabe mit Genehmigung des Bayer. Landesvermessungsamtes München, 1180/03

 

Dort, wo der Erlbach aus dem tertiären Hügelland in die Ebene des Isartales eintritt, haben vermutlich die in der Nähe siedelnden vorgeschichtlichen und römischen Bewohner ihre Toten in Grabhügeln und Flachgräbern bestattet.

Hier verläuft auch die von der Provinzhauptstadt Augsburg durch das Isartal führende römische Fernstraße.

Die zu den im Isartal liegenden Gräbern gehörenden Siedlungsplätze befanden sich auf dem von Stünzbach und Erlbach umflossenen Bergsporn des Hügellandes.

Luftbild der Ausgrabungsstätten mit den Hauptfundorten
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut - Luftbildarchiv (Otto Braasch)

 

1) Siedlung der Späthallstatt-/Frühlatènezeit (Erdwerk I).

2) Standort des römischen Mausoleums mit Gräberfeld.

3) Gräberfeld der Urnenfelderzeit.

Die dunklen runden Verfärbungen im Ackerboden sind die Reste von völlig verebneten Grabhügeln


Die zeitliche Abfolge der Ausgrabungen

1980 wurden durch den Luftbildarchäologen Otto Brasch das Erdwerk I, das Grabhügelfeld sowie Römerstraße und Mausoleum entdeckt. Noch im selben Jahr fanden an allen vier Objekten Sondagegrabungen zur Klärung der Zeitstellung statt.

Zwischen 1987 und 1990 fand eine komplette archäologische Untersuchung von Erdwerk I statt; dies ist eine Siedlung der Hallstatt- und Frühlatènezeit (etwa 650 - 400 v. Chr.) und die dazugehörige Außensiedlung. Ebenso wurden im Isartal mehrere völlig eingeebnete Grabhügel untersucht. Darunter befand sich auch das Frauengrab mit dem einmaligen Bernsteinkollier.

1989 fand in Erdwerk II eine Sondagegrabung statt. Dieses sowie das später entdeckte Erdwerk III sind von Erdwerk I lediglich durch eine Geländesenke getrennt und befinden sich in einigen hundert Metern Entfernung. Bei der Grabung kam Keramik aus der späten Urnenfelderzeit und der Hallstattzeit zutage.

Luftbild von Erdwerk I
Quelle: Bay. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Landshut - Luftbildarchiv (Otto Braasch)

Auf dem Bild ist Erdwerk I, eine Siedlung aus der Hallstattzeit, zu sehen. Erdwerk I nimmt in der bayerischen Vorgeschichtsforschung eine Sonderstellung ein, da dieses samt Außensiedlung vollständig ausgegraben und wissenschaftlich ausgewertet ist. In dem dazugehörigen Gräberfeld konnten ungewöhnlich viele aussagefähige Funde gemacht werden.

Die Römerstraße und das römische Mausoleum sind auf diesem Bild nicht zu sehen.

1992 wurde bei Befliegungen durch den Luftbildarchäologen Klaus Leidorf die römische Villa rustica, ein landwirtschaftliches Gut, entdeckt, die sich auf der Anhöhe hinter Erdwerk I befindet.

1998 veranlasste man im September/Oktober eine Notgrabung im Gräberfeld im Isartal. Dabei kamen ca. 50 Gräber aus der Urnenfelderzeit (ca. 1200 - 800 v. Chr.) zutage. Auslöser war die Ausweisung eines Gewerbegebietes in Niedererlbach. Nach sieben Wochen gingen jedoch die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zur Neige, so dass die Grabungen eingestellt werden mussten. Aufgrund der vielfältigen Funde konnte dabei lediglich ein Viertel der zu bebauenden Fläche untersucht werden. Dabei wurde das Wagengrab, ein Fund von hohem Rang, entdeckt. Der Verlust an historischer Substanz im nicht untersuchten Teil ist schwer abzuschätzen, dürfte aber ganz erheblich gewesen sein.

In den Jahren 2000 und 2001 konnte ein Teil der noch nicht bebauten Flächen des Gewerbegebietes archäologisch untersucht werden. Dabei kamen weitere hallstattzeitliche Grabhügelbestattungen zutage. Entlang der Römerstraße fand man noch zahlreiche Brandgräber des wahrscheinlich zur Villa rustica gehörenden Friedhofes.

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Internet-Seite erstellt:   15.12.2002 Internet-Seite aktualisiert:   von   K. S. und G. R.